Z-Hörnchen räumt auf

Wenn Stapel zu Möbeln werden

Verfasst von: Z-Hörnchen in: 13. März 2009

Vor einiger Zeit habe ich eine Erklärung gelesen, warum die Zeit immer schneller zu vergehen scheint, je älter man wird. Sie klang ganz einleuchtend: Das Gehirn speichert im wesentlichen nur neue Eindrücke, Bekanntes ignoriert es, weil es sich sonst überladen würde. Zeit, in der man nichts Neues tut, wird gar nicht richtig wahrgenommen.

Ich glaube, mit Ordnung bzw. Unordnung ist es ähnlich. Zumindest habe ich so etwas an mir beobachtet: Je länger ein Gegenstand an einem Ort bleibt, an den er nicht gehört, desto weniger nimmt man ihn wahr, und desto weniger ist man angetan, ihn an seinen eigentlichen Platz zu bringen. Ich glaube, mein Gehirn registriert solche Gegenstände als „Möbel“. Im Grunde, rational betrachtet, weiß ich zwar, dass der Bücherstapel in der Küche nicht da hin gehört, aber ich nehme ihn schon gar nicht mehr wahr, genauso, wie ich die Spüle nicht an sich wahrnehme. Es wäre für mein Gehirn ja auch viel zu anstrengend, bei jedem Betreten eines Raumes „Ah, Fliesen! Oh, ein Fenster! Sieh an, eine Arbeitsplatte! Ach, ein Toaster! Ein Tisch! …“ zu denken. Deswegen blendet man Vertrautes aus. Und der Bücherstapel ist leider vertraut geworden.

Nun habe ich eine Überlegung. Bringt es etwas, den Standort der Dinge zu verändern um sie wieder wahrzunehmen? Wenn ich den Bücherstapel in der Küche verschiebe – das dauert nicht lange – sehe ich ihn dann in den kommenden Tagen besser und kümmere mich deswegen auch eher um seine Entsorgung? Ich werde es wohl ausprobieren.

Eine Antwort schreiben